Mehr Fett für den Geschmack
Herr Dr. Worm ist einem breiten Publikum durch seine Radio- und TV-Auftritte in
privaten und öffentlichen Sendern vertraut. U. a. war er auch 14 Jahre Lehrbeauftragter
für Sporternährung der Trainer-Akademie des Deutschen Sportbundes in Köln. Seit
2009 ist er Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention und
Gesundheitsmanagement (DHPG). Neu ist seine Publikation "Mehr Fett", die er mit
Ulrike Gonder im Systemed Verlag, Lünen veröffentlicht hat.
Mit diesem Beitrag wollen wir den Fleischerfachgeschäften und allen Betrieben, die
Bedienungstheken führen, helfen, den Kundendialog zum Thema "Ernährung und
Genuss mit Fett" zu fördern. Schmackhafte Wurstspezialitäten, die zweifelsohne
tierische Fette in unterschiedlichen Mengen enthalten, stehen bei vielen Medizinern auf
der Negativ-Liste. Sie sehen in der Vorliebe für Fett eine Ursache für Übergewicht und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies ist eine Fehleinschätzung und soll mit dem
nachstehenden Beitrag erläutert werden.
Fett ist energiereich und essenziell notwendig
Es liefert die lebens- und zufuhrnotwendigen (essenziellen) Fettsäuren sowie die
fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Fette enthalten viele lebenswichtige Nährstoffe,
die vielerlei Aufgaben im Körper haben. So werden Gewebshormone aus Fetten
aufgebaut. Diese sind entscheidend für die Regulation des Blutdrucks, wirken
entzündungs- und gerinnungshemmend.
Ein Blick auf die nachstehende Tabelle liefert wertvolle Argumente:
Allein die Tatsache, dass 1 Gramm Fett 9 kcal, 1 Gramm Kohlenhydrate nur 4 kcal hat,
beweist noch nicht, dass Fett deshalb dicker macht. Speisen mit mehr Fett stellen den
Organismus zufriedener und reduzieren das Hungergefühl. Mit Fett kann der Körper
die fettlöslichen Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe besser aufnehmen, man wird
besser satt und es schmeckt einfach köstlicher. Denn wenn wir essen, was wir mögen
und was uns gut schmeckt, besteht eben nicht automatisch die Gefahr, dass wir uns
permanent überessen. Im Gegenteil: Der Hunger nimmt stärker ab und das Verlangen
nach mehr Essen sowie nach anderen Nahrungsmitteln lässt deutlicher nach, als wenn
die gleiche Kalorienmenge in Form eines als gesund, aber weniger schmackhaft
empfundenen, Lebensmittelns verspeist wurde.
Das große Täuschungsmanöver
Wer glaubt, man müsse kalorienarmen Ersatzstoffen lediglich die Textur von Fett
verpassen, um die Menschheit am Überessen zu hindern, irrt. Fettersatz- und andere
Lightprodukte haben die Menschen bislang weder schlanker noch gesünder gemacht,
nur das Essen unphysiologischer und weniger schmackhaft. Möglicherweise lassen
uns gerade die besonders als Figur freundlich, weil fettarm hergestellten Fertigmenüs
und Produkte allmählich immer dicker werden, weil sie dem Körper nicht geben, was
ihre Textur im Mund versprach, sodass er weiter nach Nahrung verlangt. Menschen mit
Gewichtsproblemen berichten oft, dass sie kein Gemüse mehr essen mögen. Auf die
Frage nach dem Grund dafür seufzen sie dann meist: "Man soll es doch fettarm und
mit möglichst wenig Salz zubereiten". Dabei bleibt dann der Geschmack auf der
Strecke.